Belastungs EKG: Ihre Herzgesundheit unter Anforderung testen
Das Belastungs EKG, auch Ergometrie genannt, ist ein zentrales diagnostisches Verfahren in der Kardiologie, um die Reaktion Ihres Herzens auf körperliche Anstrengung zu überprüfen. Während ein Ruhe-EKG nur eine Momentaufnahme der Herzaktivität in Entspannung liefert, deckt das Belastungs EKG auf, wie Ihr Herz-Kreislauf-System reagiert, wenn es gefordert wird. In unserer Praxis führt PD Dr. Raphael Bruno diesen wichtigen Test unter kontinuierlicher ärztlicher Überwachung durch, um Durchblutungsstörungen, Rhythmusstörungen oder ein auffälliges Blutdruckverhalten sicher zu erkennen.
Das Belastungs EKG: Der detaillierte Ablauf in unserer Praxis
Wir möchten, dass Sie sich während der gesamten Untersuchung sicher und gut informiert fühlen. Ein Belastungs EKG (Ergometrie) bei uns folgt einem standardisierten und überwachten Ablauf.
Vorbereitung auf den Test
Eine gute Vorbereitung hilft, aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht.
Vorbereitungsschritt | Empfehlung | Warum ist das wichtig? |
Kleidung | Bringen Sie bequeme Sportkleidung und Sportschuhe mit. | Sie sollen sich frei bewegen und anstrengen können, ohne durch Kleidung eingeschränkt zu sein. |
Essen & Trinken | Nehmen Sie ca. 2 Stunden vor dem Test keine große Mahlzeit mehr zu sich. | Ein voller Magen kann das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten und zu Unwohlsein führen. |
Medikamente | Nehmen Sie Ihre Medikamente wie gewohnt ein, es sei denn, Ihr Arzt hat explizit etwas anderes angeordnet. | Insbesondere Medikamente wie Betablocker beeinflussen die Herzfrequenz und müssen bei der Auswertung berücksichtigt werden. |
Gesundheitszustand | Führen Sie den Test nur durch, wenn Sie sich gesund fühlen. Bei einem akuten Infekt (Fieber, Erkältung) muss der Termin verschoben werden. | Eine Belastung während eines Infekts kann gefährlich sein und das Herz schädigen (Risiko einer Myokarditis). |
Der Ablauf
- Vorbereitung: Zunächst werden EKG-Elektroden auf Ihrem Brustkorb und Rücken angebracht und eine Blutdruckmanschette am Oberarm befestigt. Wir zeichnen ein Ruhe-EKG und messen den Blutdruck im Sitzen als Ausgangswerte.
- Die Belastungsphase: Sie sitzen auf einem Fahrradergometer. Die Untersuchung beginnt mit einer sehr niedrigen Belastungsstufe (z.B. 25 oder 50 Watt). Alle zwei Minuten wird die Belastung schrittweise erhöht.
- Überwachung: Während der gesamten Zeit werden Ihr EKG, Ihre Herzfrequenz und Ihr Blutdruck kontinuierlich überwacht. Wir fragen Sie regelmäßig nach Ihrem Befinden und eventuellen Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot oder Schwindel.
- Abbruch: Der Test wird beendet, wenn Sie Ihre Belastungsgrenze erreicht haben, vorher definierte Abbruchkriterien (z.B. bestimmte EKG-Veränderungen) eintreten oder Sie den Test aufgrund von Beschwerden beenden möchten.
- Die Erholungsphase: Nach dem Ende der Belastung bleiben Sie noch einige Minuten auf dem Fahrrad sitzen. Wir zeichnen weiterhin EKG und Blutdruck auf, um zu sehen, wie schnell sich Ihr Herz-Kreislauf-System wieder normalisiert.

Auswertung des Belastungs EKGs: Worauf Ihr Kardiologe achtet
Die Auswertung eines Belastungs EKGs ist komplex und erfordert die Erfahrung eines Kardiologen. Dr. Raphael Bruno beurteilt nicht nur einen einzelnen Wert, sondern das Gesamtbild aus verschiedenen Parametern.
Die wichtigsten Kriterien sind:
- EKG-Veränderungen: Das Hauptaugenmerk liegt auf der sogenannten ST-Strecke. Ein Absinken dieser Strecke unter Belastung ist das klassische Zeichen für eine Sauerstoff-Unterversorgung (Ischämie) des Herzmuskels.
- Herzrhythmus: Treten unter Belastung Extrasystolen oder andere, komplexere Rhythmusstörungen auf?
- Herzfrequenz: Steigt die Herzfrequenz adäquat zur Belastung an? Wird die altersentsprechende maximale Herzfrequenz erreicht?
- Blutdruck: Gibt es einen normalen, einen überschießenden (hypertensiven) oder einen unzureichenden (hypotensiven) Blutdruckanstieg? Ein Blutdruckabfall unter Belastung ist ein Warnzeichen.
- Symptome: Treten bei einer bestimmten Belastungsstufe typische Beschwerden wie Brustenge (Angina Pectoris) auf und korrelieren diese mit EKG-Veränderungen?
- Leistungsfähigkeit: Welche maximale Watt-Leistung wurde erreicht? Dies ist ein objektives Maß für die körperliche Fitness.
Das Ergebnis wird Ihnen im Anschluss ausführlich und verständlich erläutert.
Für wen ist ein Belastungs EKG nicht geeignet? (Kontraindikationen)
Sicherheit hat oberste Priorität. Daher gibt es bestimmte gesundheitliche Zustände, bei denen ein Belastungs EKG nicht durchgeführt werden darf, da die Belastung ein zu hohes Risiko darstellen würde.
Zu diesen absoluten Kontraindikationen gehören unter anderem:
- Ein frischer Herzinfarkt (innerhalb der ersten Tage)
- Instabile Angina Pectoris (Brustschmerzen in Ruhe)
- Akute Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung (Myo-/Perikarditis)
- Schwere, symptomatische Aortenstenose (hochgradige Verengung der Hauptschlagaderklappe)
- Unkontrollierte, schwere Herzrhythmusstörungen
- Akute Lungenembolie oder fieberhafte Erkrankungen
Vor jeder Untersuchung stellt Ihr Kardiologe sicher, dass keine dieser Kontraindikationen bei Ihnen vorliegt.
Häufige Fragen zum Belastungs EKG (Ergometrie)
Hier beantworten wir häufige Fragen, die Patienten uns vor einem Belastungstest stellen.
Was passiert, wenn ich während des Tests Beschwerden bekomme?
Sie stehen unter ständiger ärztlicher Aufsicht. Sollten Sie während des Belastungs EKGs relevante Beschwerden wie Brustschmerzen, starken Schwindel oder ausgeprägte Atemnot entwickeln, teilen Sie uns dies sofort mit. Der Test wird dann umgehend abgebrochen. Die Sicherheit des Patienten hat jederzeit oberste Priorität.
Wie anstrengend ist das Belastungs EKG?
Die Anstrengung ist individuell und wird an Ihre persönliche Fitness angepasst. Ziel ist es, Sie an Ihre Belastungsgrenze zu bringen, aber nicht darüber hinaus. Die Belastung beginnt sehr niedrig und wird langsam gesteigert, sodass Sie sich schrittweise daran gewöhnen können. Sie können den Test jederzeit selbst beenden, wenn Sie nicht mehr können.
Was bedeutet ein „positives“ Belastungs EKG?
Ein „positives“ oder „pathologisches“ Belastungs EKG bedeutet, dass während der Untersuchung typische Anzeichen für eine Durchblutungsstörung des Herzens (Ischämiezeichen) aufgetreten sind. Dies ist ein wichtiger Befund, der in der Regel weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Stress-Echokardiographie oder eine Herzkatheter-Untersuchung, nach sich zieht
Kann ich den Test auch auf einem Laufband machen?
In manchen Zentren wird die Ergometrie auch auf einem Laufband durchgeführt. In Deutschland und in unserer Praxis ist das Fahrradergometer der Standard. Der Vorteil des Fahrrads ist eine stabilere EKG-Aufzeichnung mit weniger Muskelartefakten sowie eine einfachere und genauere Blutdruckmessung während der Untersuchung.
Warum muss ich mich überhaupt anstrengen? Reicht ein Ruhe-EKG nicht aus?
Ein Ruhe-EKG ist bei einer stabilen koronaren Herzkrankheit oft völlig unauffällig, da die Durchblutung in Ruhe noch ausreicht. Erst die körperliche Belastung provoziert die Sauerstoff-Unterversorgung und macht die zugrundeliegende Erkrankung im Belastungs EKG sichtbar. Die Untersuchung liefert somit entscheidende Zusatzinformationen.
Mein Blutdruck war unter Belastung sehr hoch. Was bedeutet das?
Ein überschießender Blutdruckanstieg unter Belastung wird als Belastungshypertonie bezeichnet. Dies kann ein früher Hinweis auf einen noch nicht manifesten Bluthochdruck sein und stellt einen eigenen Risikofaktor für zukünftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Dieser Befund erfordert eine genaue Beobachtung und gegebenenfalls eine Anpassung der Therapie.
Ich nehme einen Betablocker. Kann ich trotzdem ein Belastungs EKG machen?
Ja, aber der Betablocker wird Ihre maximale Herzfrequenz senken. Es ist wichtig, dass Ihr Arzt dies weiß, da es die Interpretation des Ergebnisses beeinflusst. Manchmal wird der Arzt Sie bitten, den Betablocker vor dem Test zu pausieren, um eine höhere Ausbelastung zu erreichen – dies darf aber nur nach expliziter ärztlicher Anweisung geschehen.
Wie lange dauert die gesamte Untersuchung?
Für das Belastungs EKG sollten Sie inklusive Vorbereitung (Anlegen der Elektroden, Ruhe-Messung), der eigentlichen Belastungsphase (meist 8-12 Minuten) und der Nachbeobachtungsphase insgesamt etwa 20 bis 30 Minuten einplanen.
Sicherheit durch gezielte Diagnostik
Das Belastungs EKG ist ein bewährter, sicherer und äußerst informativer Test, um die Gesundheit Ihres Herzens unter realen Bedingungen zu beurteilen. Er hilft uns, entscheidende Weichen für Ihre weitere Behandlung zu stellen und gibt Ihnen Sicherheit im Umgang mit Ihrer körperlichen Belastbarkeit. Wenn bei Ihnen ein Belastungstest angeraten ist oder Sie unter belastungsabhängigen Beschwerden leiden, vereinbaren Sie gerne einen Termin für eine umfassende kardiologische Abklärung.
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