Herzgesundheit für Frauen: Was jedes Frauenherz anders macht

Herzgesundheit für Frauen erfordert ein besonderes medizinisches Augenmerk, da Frauenherzen anders altern, anders erkranken und oft andere Symptome zeigen als Männerherzen.1 Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins bei Frauen sind, werden sie oft noch immer als typisches „Männerproblem“ verkannt. In der Praxis von Dr. Raphael Bruno widmen wir uns der Herzgesundheit für Frauen mit der notwendigen Differenzierung und Expertise. Wir wissen um die biologischen Besonderheiten und wenden dieses Wissen an, um Ihnen eine präzise, personalisierte und geschlechtersensible Kardiologie zu bieten.

Das weibliche Herz: Biologische und hormonelle Besonderheiten

Die Unterschiede in der Herzgesundheit für Frauen beginnen bei der Biologie. Frauenherzen sind im Durchschnitt kleiner und leichter als Männerherzen. Auch die Herzkranzgefäße sind oft feiner und neigen zu anderen Erkrankungsmustern. Der entscheidende Faktor ist jedoch der hormonelle Einfluss, insbesondere des Östrogens.

  • Vor der Menopause: Östrogen hat eine natürliche Schutzfunktion für das Herz und die Gefäße. Es hält die Gefäßwände elastisch, wirkt sich positiv auf die Cholesterinwerte aus und hat antientzündliche Effekte.
  • Nach der Menopause: Mit dem Abfall des Östrogenspiegels entfällt dieser Schutz. Das Risiko für Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Herzinfarkt steigt bei Frauen rapide an.

Diese biologischen Gegebenheiten sind der Grund, warum eine „One-size-fits-all“-Medizin in der Kardiologie nicht ausreicht.

 

Herzgesundheit für Frauen: Der „atypische“ Herzinfarkt

Die wohl wichtigste Lektion in der Herzgesundheit für Frauen ist das Erkennen der Herzinfarkt-Symptome, die sich von den „klassischen“ Lehrbuchsymptomen unterscheiden können.2 Während der plötzliche, vernichtende Brustschmerz auch bei Frauen vorkommen kann, stehen bei ihnen oft andere, sogenannte „atypische“ Symptome im Vordergrund.3 Diese werden leider oft fehlgedeutet, was zu einer lebensgefährlichen Verzögerung der Behandlung führt.

Atypische Warnsignale bei Frauen:

  • Ein starkes, aber oft unklares Druck- oder Engegefühl im Brustkorb, Rücken oder Oberbauch.
  • Starke Kurzatmigkeit, die in keinem Verhältnis zur Anstrengung steht.
  • Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen.4
  • Unerklärliche, extreme Müdigkeit und Schwäche.
  • Schmerzen, die in den Kiefer, Nacken oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlen.5

Jede Frau sollte diese Symptome kennen und bei plötzlichem, starkem Auftreten sofort den Notruf 112 wählen.

Spezifische Herzerkrankungen bei Frauen: SCAD und Takotsubo

Neben der unterschiedlichen Präsentation bekannter Krankheiten gibt es auch Krankheitsbilder, die fast ausschließlich oder überwiegend Frauen betreffen.6 Die Kenntnis dieser spezifischen Erkrankungen ist ein Kernaspekt der modernen Herzgesundheit für Frauen.

  • Spontane Koronararteriendissektion (SCAD): Hierbei kommt es zu einem spontanen Einriss der Wand eines Herzkranzgefäßes, was zu einem Herzinfarkt führt. SCAD ist eine der häufigsten Ursachen für Herzinfarkte bei jüngeren Frauen (< 50 Jahre), insbesondere in Verbindung mit einer Schwangerschaft oder starkem emotionalen Stress.7 Die Gefäße sind dabei oft frei von Arteriosklerose.
  • Takotsubo-Kardiomyopathie („Broken-Heart-Syndrom“): Dies ist eine akute Funktionsstörung des Herzmuskels, die durch extremen emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst wird und zu über 90% Frauen nach der Menopause betrifft.8 Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, aber die Herzkranzgefäße sind unauffällig. Die Prognose ist meist gut, erfordert aber eine akute medizinische Behandlung.
  • Mikrovaskuläre Angina: Frauen leiden häufiger an Durchblutungsstörungen der kleinsten Blutgefäße im Herzen. Diese verursachen typische Brustschmerzen (Angina Pectoris), sind aber in einer normalen Herzkatheteruntersuchung nicht sichtbar, was oft zu einer Fehldiagnose führt.

Brustschmerz bei Frauen – Mögliche Ursachen

Art des Brustschmerzes

Mögliche Ursache

Typische Charakteristik bei Frauen

Klassische Angina Pectoris

Arteriosklerose der großen Herzkranzgefäße (KHK).

Belastungsabhängiger Druck/Enge, kann aber auch untypisch sein.

Mikrovaskuläre Angina

Funktionsstörung der kleinen Herzgefäße.

Oft länger anhaltende Schmerzen, auch in Ruhe, schlecht auf Nitro-Spray ansprechend.

SCAD-Schmerz

Einriss einer Koronararterie.

Plötzlich einsetzender, heftiger, oft reißender Schmerz, ähnlich einem Herzinfarkt.

Nicht-kardialer Schmerz

Ursachen im Bewegungsapparat, der Speiseröhre oder psychogen.

Oft stechend, atemabhängig, durch Druck auf den Brustkorb auslösbar.

Risikofaktoren im Fokus der Herzgesundheit für Frauen

Neben den klassischen Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes) gibt es solche, die für die Herzgesundheit für Frauen eine besondere oder exklusive Bedeutung haben.

  • Schwangerschaftskomplikationen: Bluthochdruck, Präeklampsie oder Diabetes in der Schwangerschaft sind starke Prädiktoren für zukünftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen.9
  • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder Lupus, die Frauen deutlich häufiger betreffen, sind mit chronischen Entzündungen verbunden, die die Arteriosklerose beschleunigen.
  • Depression und Stress: Frauen reagieren oft sensibler auf chronischen psychosozialen Stress, der ein eigenständiger Risikofaktor für das Herz ist.

Herzgesundheit für Frauen: Was Sie selbst tun können

Die gute Nachricht ist, dass Sie durch Ihren Lebensstil einen enormen Einfluss auf Ihre Herzgesundheit haben. Die Herzgesundheit für Frauen liegt zu einem großen Teil in Ihren eigenen Händen.

  • Kennen Sie Ihre Zahlen: Lassen Sie ab 40, bei Risiken auch früher, regelmäßig Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker kontrollieren.
  • Bewegen Sie sich: Eine Kombination aus Ausdauersport (3-5x/Woche) und Krafttraining (2x/Woche) ist ideal.
  • Ernähren Sie sich mediterran: Viel Gemüse, Obst, gesunde Fette und Fisch, wenig rotes Fleisch und Zucker.
  • Rauchen Sie nicht: Der Verzicht auf das Rauchen ist die wirksamste Einzelmaßnahme.
  • Achten Sie auf Ihre Seele: Erlernen Sie Stressbewältigungstechniken und achten Sie auf ausreichend Schlaf.

Häufige Fragen zur Herzgesundheit für Frauen

Hier beantworten wir häufige Fragen, die uns von Patientinnen in der Praxis gestellt werden.

Was ist eine mikrovaskuläre Dysfunktion?

Dies ist eine Funktionsstörung der kleinsten Arterien im Herzen. Diese Gefäße sind für die Feinregulation der Durchblutung zuständig. Bei einer Dysfunktion können sie sich nicht richtig weiten, was zu einer Sauerstoff-Unterversorgung und Brustschmerzen führt, obwohl die großen Kranzgefäße frei sind. Diese Erkrankung betrifft überproportional häufig Frauen und ist ein wichtiger Aspekt der Herzgesundheit für Frauen.

Bin ich nach einem „Broken Heart Syndrom“ für immer herzgeschädigt?

In den allermeisten Fällen erholt sich der Herzmuskel nach einer Takotsubo-Kardiomyopathie innerhalb von Wochen bis Monaten wieder vollständig.10 Es ist jedoch ein ernsthaftes akutes Ereignis, das einer sorgfältigen kardiologischen Überwachung und Nachsorge bedarf, um die vollständige Genesung sicherzustellen und mögliche seltene Komplikationen auszuschließen.

Wie gefährlich ist eine spontane Koronararteriendissektion (SCAD)?

Eine SCAD ist ein akuter Herzinfarkt und damit ein lebensbedrohliches Ereignis, das eine sofortige notfallmedizinische Behandlung erfordert. Die langfristige Prognose nach einer ausgeheilten SCAD ist jedoch oft besser als bei einem Herzinfarkt durch Arteriosklerose, da die restlichen Gefäße meist gesund sind. Die Nachsorge bei einem Spezialisten für Herzgesundheit für Frauen ist hier entscheidend.

Spielt die Schilddrüse eine besondere Rolle für mein Herz?

Ja, Schilddrüsenerkrankungen sind bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern. Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse können erhebliche Auswirkungen auf das Herz haben, z.B. Herzrasen, Vorhofflimmern oder eine Verschlechterung der Herzschwäche. Eine Überprüfung der Schilddrüsenwerte ist daher oft Teil der kardiologischen Abklärung.

Warum steigt mein Blutdruck in den Wechseljahren?

Der Abfall des Östrogens nach der Menopause führt dazu, dass die Blutgefäße an Elastizität verlieren und steifer werden. Dies führt bei sehr vielen Frauen zu einem Anstieg des Blutdrucks.11 Eine regelmäßige Kontrolle und ggf. die rechtzeitige Einleitung einer Therapie ist ein zentraler Baustein der Herzgesundheit für Frauen in dieser Lebensphase.

Ist eine Hormonersatztherapie gut oder schlecht für mein Herz?

Diese Frage ist komplex. Eine Hormonersatztherapie wird heute nicht mehr primär zur Herzvorsorge empfohlen. Bei Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden kann sie jedoch die Lebensqualität erheblich verbessern.12 Die Entscheidung muss individuell nach einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiken gemeinsam mit dem Gynäkologen und Kardiologen getroffen werden.

Ich habe Migräne mit Aura. Ist das ein Risiko für mein Herz?

Ja, Frauen mit Migräne mit Aura haben ein leicht erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Dieses Risiko wird durch die Einnahme der „Pille“ und insbesondere durch Rauchen nochmals deutlich gesteigert. Eine umfassende Beratung zu Risikofaktoren ist für diese Patientinnen besonders wichtig.

Mein Belastungstest war unauffällig, ich habe aber trotzdem Brustschmerzen. Was nun?

Dies ist eine klassische Situation, in der die Besonderheiten der Herzgesundheit für Frauen zum Tragen kommen. Ein normales Belastungs-EKG schließt eine mikrovaskuläre Angina nicht aus. Hier sind oft weiterführende, spezialisierte Untersuchungen oder eine sehr genaue medikamentöse Test-Therapie durch einen erfahrenen Kardiologen notwendig.

Warum sollte ich zu einem Kardiologen gehen, der sich mit Gendermedizin auskennt?

Weil er Ihre „atypischen“ Symptome ernst nimmt, die spezifischen weiblichen Risikofaktoren kennt und die Untersuchungsergebnisse im geschlechtsspezifischen Kontext interpretiert. Dies erhöht die Chance auf eine korrekte und rechtzeitige Diagnose und eine auf Sie zugeschnittene, wirksame Therapie.

Ist Stress für Frauenherzen gefährlicher als für Männerherzen?

Studien deuten darauf hin, dass Frauen auf psychischen Stress mit stärkeren körperlichen Reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems reagieren können. Erkrankungen wie das „Broken-Heart-Syndrom“ zeigen eindrücklich, wie eng die Verbindung zwischen Psyche und Herz bei Frauen sein kann. Stressmanagement ist daher ein besonders wichtiger Aspekt der Herzgesundheit für Frauen.

Ihr Herz ist einzigartig – Schützen Sie es gezielt

Die Herzgesundheit für Frauen erfordert ein differenziertes Wissen und eine besondere ärztliche Aufmerksamkeit. Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand, indem Sie auf die Signale Ihres Körpers hören und sich bei einem Spezialisten beraten lassen, der Ihre Bedürfnisse versteht. Vereinbaren Sie einen Termin, um Ihre persönliche Vorsorgestrategie zu besprechen.

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